Dagmar Schmidt, MdB, besucht den Weltladen

Die Ladenmitarbeiter Simone Uhl, Sabine Neumann und Carsten Kolb mit Dagmar Schmidt, MdB.

 

Die Bundestagsabgeordnete Dagmar Schmidt besuchte den Weltladen Wetzlar, um sich dort über den fairen Handel und das ehrenamtliche Engagement der achtzehn Mitarbeitenden zu informieren. Sabine Neumann und Annette Greier vom Ladenteam berichteten über die Hintergründe und die Motivation des Fairen Handels und erzählten von der Entwicklung, welche der Weltladen Wetzlar in den mehr als 35 Jahren seiner Existenz genommen hat.

Dagmar Schmidt, Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestags, setzte während ihrer gesamten politischen Laufbahn einen besonderen Schwerpunkt auf soziale Gerechtigkeit und gerechten Lohn, Denkansätze, welche auch grundlegend für den Fairen Handel sind. Im Gespräch zeigten sich aber auch die Differenzen zwischen der Politikerin und den Weltladenmitarbeitern: Denn während der Faire Handel fordert, dass deutsche Unternehmen auch Verantwortung für die Zustände und Arbeitsbedingungen bei den Firmen in den Ländern übernehmen, in denen sie ihre Waren produzieren lassen, und für Verstöße zur Rechenschaft gezogen werden können, hat Schmidt dazu eine andere Haltung: „Ich habe Probleme mit der Verklagbarkeit deutscher Unternehmen aus dem Ausland. Wir brauchen eine internationale Regelung, weil sonst deutsche Unternehmen im Nachteil und einseitig belastet wären.“

Schmidts Thema ist auch die sogenannte „Armutszuwanderung“, was durch die Flüchtlingsströme nach Europa momentan besonders aktuell ist. Die Politikerin findet es toll, welches Engagement in den vergangen Wochen zur Unterstützung der Menschen mobilisiert worden ist. Gleichzeitig sieht sie aber auch, dass durch die jahrzehntelange kontinuierliche Arbeit der Weltläden die Fluchtursachen bekämpft werden. Durch die gerechte Bezahlung für ihre Arbeit und ihre Produkte, durch die langfristigen Lieferverträge, so berichtete Sabine Neumann der Politikerin, die Unterstützung bei Projektplanung, Finanzierung oder Produktionsoptimierung und anderes mehr durch die Fairhandelspartner, verdienen die Menschen nicht nur in ihrer Heimat genug Geld für sich und ihre Familien, sondern haben auch eine Perspektive für ihre Zukunft bezüglich ihres Einkommens und der Bildung ihrer Kinder. Denn die Kinderarbeit wird in den Regularien des Fairen Handels ausgeschlossen, stattdessen werden Bildung und Gesundheitsvorsorge gefördert.

Dagmar Schmidt, die selbst auch in der gewerkschaftlichen Arbeit engagiert war, hinterfragte kritisch, warum die Weltläden fast ausschließlich ehrenamtlich betrieben werden. Und beim Thema Discounter, die einerseits Fairtradeprodukte verkaufen, selbst ihre Mitarbeiter aber sehr schlecht bezahlen, bemerkte sie „aber die werden wenigsten bezahlt“. Daraufhin bemerkte Annette Greier, dass die Weltladenmitarbeiter sich freiwillig für ihre Mitarbeit entschieden haben, während den Angestellten im Niedriglohnsektor meist keine Wahl bleibe.

Nach dem ebenso kritischen wie konstruktiven Gespräch führte Sabine Neumann ihre Besucherin noch durch den Weltladen und zeigte ihr beispielhaft einige Produkte, welche exemplarisch für die Schwerpunkte Vielfalt, Ökologie, Qualität und faire Produktionsbedingungen stehen.